VFLinside – Spieler im Fokus: Tobias Gessler

In wenigen Tagen startet die erste Mannschaft des VfL Oberbieber in die Vorbereitungsphase für die kommende Rückrunde. Nach nun langer Pause rollt endlich wieder der Fußball auf dem Oberbieberer Sportplatz. Als kleiner Vorgeschmack stellte sich der ehemalige A-Jugend-Kapitän und jetzige Seniorenspieler Tobias Gessler dem nächsten “Spieler im Fokus”-Interview. Durch sein selbstbewusstes sowie selbstloses Auftreten hat Tobi trotz seines jungen Alters einen hohen Stellenwert in der Mannschaft und unterstützt den Verein sowohl auf als auch außerhalb des Platzes.

Tobi, du blickst nun auf deine erste Saisonhälfte im Seniorenbereich zurück. Wie sieht dein Fazit für die Hinrunde aus?

Tobias: Also mein Fazit für die Hinrunde muss ich ganz klar teilen. Persönlich bin ich mit mir zufrieden für mein erstes Jahr, außer dass ich zu oft verletzt ausgefallen bin. Mannschaftlich muss ich sagen, dass man unser Potential und unser Können gesehen hat, aber dafür haben wir zu wenig Punkte und stehen meiner Meinung nach in der Tabelle zu weit unten. Deshalb bin ich noch nicht zufrieden, aber ich bin zuversichtlich, dass wir uns weiter steigern.

Du bist mit deiner Statur dem Herrenbereich eigentlich mehr als gewachsen. Hast du trotzdem den Unterschied zur Jugend gemerkt?

Tobias: Ich habe mich bereits in dem letzten Jahr Jugend schon ein bisschen vorbereitet für die erste Mannschaft. Mir ist aufgefallen, dass nicht umbedingt der fußballerisch bessere gewinnt, sondern dass auch oft die Erfahrung ein Spiel entscheiden kann. Allerdings ist das Spiel auch schneller, robuster und man muss viel mehr mit seinem Körper arbeiten. Daran musste ich mich auch erst gewöhnen.

Du und deine A-Jugend Kollegen seid fast komplett erhalten geblieben. Was hat für euch den Ausschlag gegeben, weiter für den VfL zu kicken?

Tobias: Ausschlaggebend war vor allem unser Jahrgang 98, da wir schon länger zusammen spielen. Das schweißt halt zusammen und eine ähnliche Situation zum 95er Jahrgang, der auch in der A-Jugend Meister wurde und nun zusammen in der Ersten spielt. Das waren schon eine Art Vorbilder, wo man sich dachte, dass man auch mal so agieren und auch mit ihnen zusammen spielen möchte. Die Stimmung macht es dann einfach. Ein gutes junges Team mit tollen Charakteren, die zudem auch noch fußballerisch was drauf haben.

Als zusätzlicher Trainer der A-Jugend bist du ein waschechter Fußball-Workaholic. Warum wolltest auch direkt als Trainer einsteigen?

Tobias: Wer mich kennt weiß, dass ich ein lauter und kommunikativer Spieler bin, der immer versucht seine Nebenleute zu unterstützen, deshalb war es mir ein Bedürfnis dem Daniel diese Saison zur Seite zu stehen. In der Jugend haben mich manche Trainer der Gegner als “Spielertrainer” bezeichnet, weil ich so laut war. Ich habe einfach eine Idee von Fußball, wie ich ihn am besten finde und dann macht es einfach Spaß das den Spielern zu vermitteln und zu sehen, wie sie es umsetzen und Verbesserungsvorschläge annehmen.

Im Verein kennt man deine große Bewunderung gegenüber Pep Guardiola. Was fasziniert dich so an diesem Trainer?

Tobias: Ja, Pep Guardiola ist für mich mit Abstand der beste Trainer, weil seine Art Fußball zu spielen einfach unglaublich ist. Ich teile einfach die Devise, dass wenn man den Ball hat, der Gegner kein Tor schießen kann. Ballbesitzspiel ist die beste Art der Verteidigung und dabei macht man den Gegner noch müde. Zudem kommt noch das Verhältnis zu den Spielern. Am liebsten erinnere ich mich an die Szene nach dem Spitzenspiel gegen Dortmund, als Kimmich sein Debüt als Innenverteidiger gab und Guardiola kurz nach dem Abpfiff am Mittelkreis mit ihm stand und auf ihn eingeredet hat, dass er ein wahnsinnig guter Fußballer wäre.

Du bist schon seit einer gefühlten Ewigkeit in der Innenverteidigung zuhause. Wer ist für dich der beste Verteidiger der Welt?

Tobias: Die Frage hängt natürlich auch damit zusammen, welche Idee ich vom Fußball habe. Natürlich ist ein Spieler wie Sergio Ramos absolute Weltklasse, aber ich für meinen Stil würde Boateng wählen, dicht gefolgt von Hummels. Denn ein Boateng in Topform, wie zur WM 2014, gestaltet von hinten mit seinen Pässen und langen Bällen das Spiel. Man hat ja nicht umsonst gesagt, er wäre der Quarterback des deutschen Fußballs.

Gibt es neben dem Fußball noch eine andere Sportart, die du gerne betreibst oder aufmerksam verfolgst?

Tobias: Ich spiele und schaue gerne Basketball, besonders die NBA. Ich würde es gerne öfter spielen, aber dafür fehlt mir die Zeit. Ich bin einfach fasziniert von der Geschwindigkeit des Spiels und der enormen Athletik der Spieler. Auf einem so kleinen Spielfeld geht es durchgehend ab!

Was ist für dich die wichtigste Eigenschaft, die man besitzen muss, um in seinem Sport erfolgreich zu sein?

Tobias: Meiner Meinung nach ist das der Ehrgeiz. Man darf nie zufrieden sein, sondern muss den Drang haben immer besser werden zu wollen. Besser gesagt: Es gibt kein Limit. Beispielsweise im Basketball, wenn man sich Kobe Bryant betrachtet, die Jungs gehören schon zu den besten der Welt und sind trotzdem nicht zufrieden. Das ist diese besondere Mentalität. Im Fußball wäre es Cristiano Ronaldo. Da wo er jetzt steht, ist das Produkt aus Fleiß und harter Arbeit. Natürlich hat er auch das gewisse Talent.

Doch zurück zum Fußball. In wenigen Tagen beginnt die Wintervorbereitung. Freust du dich, dass es wieder losgeht oder könnten die Ferien noch länger sein?

Tobias: Ich finde es gut, dass die Vorbereitung wieder anfängt. Ich freue mich darauf mit der Mannschaft zu trainieren und wieder einen Ball am Fuß zu haben. Es war nämlich bis jetzt die längste Pause, die ich jemals hatte. Zwar werden die ersten Wochen hart sein, aber so ist nunmal eine Vorbereitung und dann hoffe ich, dass wir die Grundsteine für eine positive Rückrunde legen werden.

In den letzten Spielen war der VfL erfolgreich und konnte wichtige Punkte sammeln. Was wird in der Rückrunde auf deine Mannschaft zukommen?

Tobias: Ja, wie bereits gesagt, waren die letzten Spiele ziemlich gut. Auch wenn wir beim 4:3 gegen Herschbach das Ende nochmal spannend gemacht haben (lacht). Ich denke, dass in der Rückrunde schwere Auswärtsspiele auf uns zu kommen, wie Horressen direkt am Anfang. Allerdings müssen auch ein paar Mannschaften zu uns, was auch nicht so angenehm ist. Ich hoffe einfach, dass wir alles rausholen, was in unserer Macht steht.

Und nun die letzte Frage: Was wäre dein Wunsch, wo der VfL Oberbieber in 10 Jahren steht?

Tobias: Die erste Mannschaft sollte umbedingt zwei Ligen höher spielen – mindestens! Aber natürlich wäre es auch mein Wunsch, dass die Jugendmannschaften alle hoch spielen und man weiterhin gute Jugendarbeit leistet. Ich hoffe, dass ich dann noch spiele, aber ich würde dann auch gerne als Trainer in den Jugendmannschaften aktiv sein. Mir ist wichtig, dass der Kreis bzw. die Stadt Neuwied wieder eine Marke wird. Es spielen hier so viele gute Fußballer verteilt und Neuwied hätte eigentlich das Potential für mehr. Sodass man neben dem FV Engers, auch in anderen Stadtteilen Oberliga-Fußball sehen könnte. Mit der nötigen Unterstützung vom Kreis könnte sowas vielleicht klappen, aber es ist vielleicht nur mein Wunsch.

Danke und auf eine gute Rückrunde, Tobi…